Formel 1 Singapur 2018: Hamilton beschert uns zwei magische Nächte

Mit seiner Pole Position und einem ungefährdeten Start/Ziel-Sieg baut Lewis Hamilton die Führung in der Formel 1 Fahrer-Weltmeisterschaft auf 40 Punkte aus!

Was war das bitte für ein magischer Moment, den wir da am zurückliegenden Samstag erleben durften. Mit einer unglaublichen Runde sicherte sich Lewis die Pole Position für die inzwischen 10. Ausgabe des Singapur Grand Prix und strafte damit die Fachleute Lügen, die von einem extrem schwierigen Rennen für unser Team ausgingen. Ja, die letzten Veranstaltungen auf dem Marina Bay Street Circuit waren alles andere als einfach für die Truppe, aber während des 2018er Grand Prix hatte es den Anschein, als würde irgendwie alles zusammenkommen. Und dazu gehörte auch diese schon historische Qualifying-Runde, die der Lewis am Samstag in den Asphalt von Singapur brannte.

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich denke bei den Onboard-Aufnahmen immer wieder an diesen Senna-Moment in Monaco 1988. Im Qualifying fuhr Ayrton in einer völlig anderen Welt und legte die, für damalige Maßstäbe, perfekte Runde hin. Alles war irgendwie im „flow“ und sah so spielerisch einfach aus. Hamilton kann das auch und wenn die Bedingungen stimmen, dann kommt halt so eine Runde, wie die am Samstag heraus!

Aber kommen wir zum Rennen des Sonntags. Am Start kommt Lewis hervorragend vom Punkt und führt das Feld in die erste Kurve. Dahinter tobte auch bereits der Kampf um die 2. Position. Verstappen und Vettel gingen Seite an Seite in die erste Kurve, bevor der Heppenheimer zurücksteckte, um dann wenige Kurven später den Max dann doch zu überholen.

Während Lewis im weiteren Rennverlauf die Pace an der Spitze kontrollierte, kam der Ferrari Vettels bereits in der 14. Runde an die Box und wechselte von Hyper- auf Ultrasoft-Reifen. Problem hierbei: Vettel kam hinter dem Force India von Sergio Perez auf die Strecke und verlor dadurch so viel Zeit, dass er 4 Runden später noch hinter Max Verstappen auf Platz 3 zurückfiel.

In diesem Moment konnte unser Teamchef Toto Wolff, der großen Respekt vor den Herausforderungen des Wochenendes hatte, wohl zum ersten Mal ein wenig tiefer durchatmen. Der Red Bull Verstappens und Sebs Ferrari folgten in gebührendem Abstand und bezüglich der Rundenzeiten schien Lewis alles unter Kontrolle zu haben. Bis, ja bis zur 38. Runde. Singapur ist seit jeher dafür bekannt, dass man hier suboptimale Überholmöglichkeiten vorfindet. Und genau das trifft auch für Überrundungen zu. Besonders wenn die zu Überrundeten selber um die Plätze kämpfen.

Genau dies zeigten auf offenbarende Weise der Williams von Sergei Sirotkin und der Haas von Romain Grosjean. Diese duellierten sich nicht nur unter blauer Flagge, sie schafften es auch, dass Max Verstappen den Rückstand von fünf Sekunden binnen weniger Runden auf Null schrumpfen lies.

Für eine Minute oder so hatte ich einen Mordspuls, aber als ich vorbei war, konnte ich mich schnell wieder absetzen.

– Lewis Hamilton

Der Haas von Romain Grosjean wurde übrigens mit einer fünf Sekunden Strafe belegt. Die Rennleitung sah hier einen klaren Verstoß und verwies auf die mehrfach geschwenkten blauen Flaggen, die eine Überrundung signalisieren sollen.

Nicht aufregend, aber erfolgreich!

Nein, der Singapur Grand Prix 2018 war kein aufregendes Rennen. Es hatte gar etwas von einer Prozession. Dennoch hat unser Team gezeigt, dass Strategie und die an diesem Wochenende unglaubliche Pace von Lewis Hamilton, schwer zu schlagen sind.

In zwei Wochen geht es nach Russland und dann ist unser gesamtes Team erneut gefragt!

Stimmen zum Rennen

Singapur war seit einigen Jahren unsere Angststrecke. Entsprechend ist es ein ganz besonderes Gefühl, das Rennen hier durch unsere Pace zu gewinnen. Das gesamte Team hat sehr hart gearbeitet, um das Auto besser zu verstehen und Fortschritte zu erzielen.

– Toto Wolff

Toto Wolff

An diesem Wochenende war viel los: erst die fantastische Qualifying-Runde von Lewis, dann das Schachspiel im Umgang mit den Reifen heute Abend und einige nervöse Momente im Verkehr bei den Überrundungen während des Rennens.

Aber schlussendlich haben wir in beiden Weltmeisterschaften mehr Punkte als unsere Rivalen geholt und ein sehr erfreuliches Ergebnis eingefahren. Im Anschluss wird sicher viel über die Überrundeten diskutiert werden, die einen großen Einfluss auf die Rennen unserer beiden Fahrer hatten. Ich denke, das ist ein Thema, das die Fahrer unter sich ausmachen müssen. Aber vielleicht lassen sich die Regeln für blaue Flaggen auf Straßenkursen wie diesem noch etwas optimieren.

Aus unserer Perspektive können wir mit einem sehr ordentlichen Wochenende zufrieden sein. Wir führen beide Weltmeisterschaften an, aber das verändert nichts an unserer Einstellung im Team. Es stehen noch sechs Wochenenden aus und wir wissen, wie schnell sich die Situation wieder zu unseren Ungunsten verändern kann. Wir blicken weiterhin von Wochenende zu Wochenende, bleiben mit beiden Füßen auf dem Boden und sind fest entschlossen, unser Potenzial jedes Mal auszuschöpfen.

Am Samstag ging es nicht gut los, aber dann ist mir plötzlich diese ganz besondere Runde gelungen. Ich wusste, dass die Pole Position für uns eine großartige Chance darstellte, die wir ausnutzen mussten.

– Lewis Hamilton

Lewis Hamilton

Ich hatte einen klasse Start und konnte das Rennen danach kontrollieren. Wenn ich in Verkehr kam, achtete ich darauf, keine unnötigen Risiken einzugehen. Wenn man näher an ein anderes Auto herankommt, verliert man Grip und das Auto fängt an, herumzurutschen. Dadurch erhöht sich die Fehlerwahrscheinlichkeit. Wenn man Glück hat, trifft man an der richtigen Stelle auf andere Autos, sodass man keine Zeit verliert. Aber heute bin ich immer an unglücklichen Stellen auf sie aufgelaufen.

Als Max direkt hinter mir war, musste ich mich verteidigen. Dabei dachte ich mir nur: „Du kommst heute nicht vorbei!“ Das Rennen war körperlich sehr anstrengend und ich bin froh, dass es jetzt vorbei ist. Es hat sich wie eine lange Nacht angefühlt, aber ich bin für dieses Ergebnis wahnsinnig dankbar.

Im Rennen ist nicht viel passiert. Ich hatte darauf gehofft, dass es mehr Variablen geben würde, die das Feld etwas durcheinanderbringen könnten. Es gab nur eine Safety-Car-Phase zu Beginn des Rennens, aber das war zu früh, um etwaige Boxenstopps auszulösen. Es ist sehr schwer, anderen Autos zu folgen und auch das Überholen ist auf dieser Strecke schwierig.

– Valtteri Bottas

Valtteri Bottas

Der erste Stint auf den HyperSoft-Reifen war sehr unkompliziert. Wir wussten, dass der zweite Stint auf den Soft-Reifen schwieriger werden würde, da er so lang war und die Reifen gegen Ende ziemlich abgefahren sein würden. Ich kann mit dem vierten Platz nicht zufrieden sein.

Aber das Qualifying-Ergebnis von gestern hat mir heute ein besseres Resultat erschwert. Wir haben trotzdem ein gutes Mannschaftsergebnis eingefahren. Das ist großartig, da jeder im Team sehr hart gearbeitet hat, um das Auto und die Abstimmung für Singapur zu verbessern.


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Sascha Pallenberg ist für die Digitale Transformation in der Unternehmenskommunikation verantwortlich. Der ehemalige Techblogger bereitet insbesondere Inhalte an der Schnittstelle zwischen Auto- und IT-Industrie für Daimler Online-Medien auf. Er ist außerdem Gründer von Mobile Geeks.

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